JINN.TV | CROSSMEDIA STATE OF THE ART | 2008

CROSSMEDIA _ TRANSMEDIA

Index

1. State of the Art of Crossmedia
1.1 Prolog. Von Gutenberg bis Web2.0
1.2     Medien im Prozess der Veränderung
1.3     Sind sich kreuzende Medien, eine Idee oder eine Konzeption?
1.4     Die Rekursion
1.5     Wie sich Transjournalismus positioniert?

2.    JINN.TV
2.1     Fragestellung
2.2     Emerge
2.3     Abstract

3.     Projekt Informationen
3.1    Das Bedürfnis:
3.2     Die Philosophie

1. State of the Art of Crossmedia!

Prolog.

1.1 Von Gutenberg bis Web2.0

Als Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert den Buchdruck mit beweglichen Metalllettern erfand, ahnte er noch nicht, welche Auswirkungen seine Erfindung als Kultur prägende Informations- und Kommunikationstechnologie für die Nachwelt haben würde. Gut 500 Jahre nach Gutenbergs Erfindung finden wir uns in einer Welt wieder, aus der das Internet nicht mehr weg zu denken ist. Information und Unterhaltung ist jederzeit online abrufbar und das WorldWideWeb ist längst zu einem festen Bestandteil des täglichen Lebens geworden. Dabei sind wir uns oft gar nicht bewusst, dass der letzte grosse Meilenstein in der Entwicklung des WorldWideWebs vier Jahre alt ist. Dank der Erfindung des Web2.0 sind wir um ein fast unendlich scheinendes Universum – mit den sozialen Plattformen Youtube, facebook, myspace, second life, etc. – reicher. Täglich entstehen tausende von neuen Online-Tagebüchern, stündlich werden Videoclips hochgeladen und neue virtuelle Freunde hinzugefügt, im Minutentakt werden die Wetterdaten aktualisiert und neue Inhalte generiert.

Mit den so genannten RSS Feeds lassen sich diese Inhalte weltweit abonnieren und auf anderen Webseiten implementieren. Die technologischen Möglichkeiten von Web2.0 haben nicht nur zu neuen Fähigkeiten von Webseiten geführt, sondern auch zu einer vielschichtigen Quervernetzung des Internets. Den Machern und Macherinnen der klassischen Medien wie Zeitung, Fernsehen oder Radio ist diese Entwicklung nicht entgangen und so können wir heute feststellen, dass sich diese klassischen Medien in ihren virtuellen Auftritten gegenseitig annähern. Zeitungen produzieren ergänzende Film- und Fotobeiträge, Radio- und Fernsehstationen werben mittels redaktioneller Artikel und Blogs. Deshalb prophezeien einzelne Stimmen sogar das Ende der Printmedien und des Buchdrucks.

1.2 Medien im Prozess der Veränderung

Diese Entwicklung der Web2.0 basierten Medientechnologien stellt die klassischen Verlagshäuser, die Medienindustrie und somit auch den Journalismus vor eine Herausforderung mit ganz neuen Möglichkeiten. Medienwissenschaftler und -expertinnen sprechen von Aufbruch und Veränderung und von der multimedialen Herausforderung des Journalismus von Morgen. Oft werden in diesem Zusammenhang die Begriff «Crossmedia» und «Transjournalismus» genannt.

1.3 Sich kreuzende Medien: Idee oder Konzeption?

Der Begriff «Crossmedia» mag zunächst abstrakt klingen. Wer aber einen Blick hinter den öffentlichen Auftritt eines zukunftsorientierten Medienhauses wagt, erfasst rasch die Idee von Disziplinen übergreifenden Arbeitsmethoden und somit die neuen Möglichkeiten, die mediale Hybridformen bieten. Gemäss Wikipedia bezeichnet der Begriff die Kommunikation über mehrere inhaltlich, gestalterisch und redaktionell verknüpfte Kanäle, die den Nutzer ziel gerichtet durch die verschiedenen Medien führt und auf einen Rückkanal verweist. Konkret bedeutet das, dass ein redaktioneller Beitrag oder eine Werbebotschaft verschieden aufbereitet und verwertet werden kann. So kann zum Beispiel ein Artikel mehrfach kombiniert, gestaltetet und ausgerichtet und in verschiedenen Medien (z.B. Druck/Online oder Video/Foto/Text) gleichzeitig platziert werden. Diese Methode bildet ideale Bedingungen für die gegenseitige Annäherung klassischer Medien und den Nährboden für neue Formen von Hybridmedien. Diese Idee wird somit auch auf die klassischen Redaktionsformen übertragen. Printmedien können in ihren Onlineausgaben ergänzende Foto- oder Videobeiträge in die Artikel implementieren, Fernsehformate können zusätzlich im Internet mit einer Redaktion vertreten sein und Radiosender mittels Zuhörerforen interagieren. Die Medienmacher und Macherinnen sind auf der Suche nach der besten Kombination, nach Synergieeffekten, die den Arbeitsfluss optimieren und den besten Zugang zum Publikum haben.

1.4 Die Rekursion

Die Rekursion oder Rückinformation ist mit einem klassischen Leserbrief zu vergleichen. Sie hilft der Redaktion, die Reaktionen auf einen Beitrag auszuwerten um die gewonnen Erkenntnisse in den Arbeitsablauf zurückfließen zu lassen. Die Leserschaft, die Zuschauenden bzw. das Auditorium bekommt so eine Stimme und kann seinen Standpunkt einbringen, seine Meinung zu der Qualität eines Beitrags kundtun, thematische Vorschläge liefern, Fragen formulieren und gegebenenfalls einen Beitrag ergänzen, präzisieren oder korrigieren. Das eröffnet den Konsumierenden einen Dialog mit der Autorenschaft, der Redaktion und dem Medium selbst. Die Leserin, der Zuschauer und die Hörerin bekommt damit einen neuen Stellenwert innerhalb eines Mediums und wird eingebunden. Diese Interaktion zwischen Konsumierenden und einem Medium ist ideal um Vertrauen zu bilden und fördert gleichzeitig den Diskurs, die freie Meinungsäußerung sowie die Bindung an das Medium. Dadurch, dass das Publikum als Mitwirkende zu den Ohren, der Nase oder den Augen eines Mediums wird, entstehen ganz neue Synergien. Das Publikum wirkt nicht anstelle der Journalisten, aber zum Beispiel als komplementäre Informationsquelle oder als Garant für Aktualität in Form einer exklusiven Quelle vor Ort.

1.5 Wie positioniert sich Transjournalismus?

Die neuen Kommunikationstechnologien ermöglichen es heute jedermann zum Amateurreporter, zur Laienkorrespondentin oder zum Publizisten zu werden. Die Bloggerszene und der Bürgerjournalismus ersetzen jedoch keinesfalls den professionellen Journalismus sondern verändern lediglich die Relation eines Mediums zu seinem Publikum. Guter Journalismus beinhaltet sowohl heute als auch in der Zukunft das sorgfältige Einordnen, Interpretieren und Verarbeiten von Informationen. Das Setzen von Schwerpunkten, die Recherche vor Ort, das Einbeziehen von primären Quellen und gegebenenfalls von Experten werden auch weiterhin unerlässlich sein für die Glaubwürdigkeit und die Qualität von verantwortungsvollem Journalismus. Es zeichnet sich ab, dass der so genante Transjournalist und die Transjournalistin Disziplin und Medien übergreifend denken und arbeiten muss und sich nicht scheut Web2.0-Kenntnisse und konvergente Medien einzusetzen. Deshalb werden in Zukunft Journalisten und Journalistinnen nicht nur Texte schreiben, sondern auch zur Kamera greifen und vielleicht danach die Bilder und Texte per Satellit auch gleich online stellen. Dabei gilt es die Potentiale von Crossmedien auszuloten und die kombinatorischen Möglichkeiten von Redaktionen zu erforschen; mit einem nach vorne gewandten Blick auf die Medienformate und Berufsfelder von Morgen.

2. JINN.TV

2.1 Fragestellung:

Wie gestaltet sich die Konzeption für eine crossmediale Plattform mit interkulturellem Fokus?

2.2 Abstract:

Das Projekt ist ein prototypischer Versuch, eine Crossmedia Redaktion mit einem interkulturellen und transnationalen Fokus zwischen den klassischen Medien wie Zeitung und Fernsehen zu platzieren. Als unabhängige, nichtkommerzielle Plattform möchte sie thematisch fokussierte Beiträge verfassen und Formate für eine interkulturelle und transnationale Aufklärung entwickeln.

Mit Sitz in der Schweiz versteht sie sich als westliches Medien-Fenster zum Balkan und zum Orient. Die Recherchen im In- und Ausland haben das Ziel, der Schweiz und dem Westen einen Blick auf die Verschiedenartigkeit der ineinander fließenden Kulturen zwischen Orient und Okzident zu präsentieren. Der sehr offen definierte Aktionsradius erstreckt sich von der Schweiz über die Balkanhalbinsel bis nach Indien.

JINN.TV versteht sich als ein dynamisches Laboratorium in Form einer offenen, transdisziplinären Redaktion und sucht eine vermittelnde Funktion zwischen Leserinnen, Redaktoren, Expertinnen und Porträtierten. Die Beiträge bieten eine Basis für Diskurse, Debatten und Dialoge und können somit einen Beitrag für eine gegenseitige interkulturelle Annäherung leisten.

2.3 Emerge :

«Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen», sagten schon
Karl Valentin, Mark Twain und Winston Churchill. Die crossmediale Konzeption und der thematische Fokus sind die Elemente oder Bausteine und somit auch eine der Grundvoraussetzungen für eine Verbindung oder Konstruktion zwischen Thema und Medium. Welche neuen Eigenschaften diese Kombination hervorbringen wird, ist deshalb schwierig vorauszusagen. «Die beste Art, die Zukunft vorauszusagen, ist, die Zukunft zu erfinden», meint der Computerwissenschaftler Alan Kay. Somit macht JINN.TV den Versuch, ein Bild der Medien von Morgen zu skizzieren und umzusetzen. Ob das Ganze emergent, d.h. mehr sein wird als die Summe seiner Teile, wird sich herausstellen

3. Projekt Informationen

3.1 Das Bedürfnis:

Die Plattform kann zur Konflikttransformation, in Dialogprojekten und zur Völkerverständigung zum Einsatz kommen. Die Alliance of Civilisations formuliert in ihrem «Mission Statement» und in ihren «Objektives» das Bedürfnis nach Plattformen zur Förderung des Dialogs zwischen den Kulturen:

[1]«The Alliance seeks to use the media to foster mutual understanding and to lay the groundwork for collective action across diverse populations and cultures.»

[2]«The media is perhaps the most powerful force today in shaping our understanding of events and peoples in the world around us. A bridge builder and convener, connecting people and organizations devoted to promoting trust and understanding between diverse communities, particularly – but not exclusively – between Muslim and Western societies.»

3.2 Die Philosophie:

Die Plattform versteht sich als alternativer und komplementärer Informationskanal.

Die Plattform bietet eine offene, nichtkommerzielle Berichterstattung sowie Hintergrundinformationen zu aktuellen interkulturellen und transnationalen Themen.
Die Information steht dabei im Zentrum und nicht die journalistische Vermarktung der Plattform oder der Beiträge. Die Plattform begibt sich bewusst auf eine Gradwanderung zwischen Abstraktion und Information. Sie hat die Absicht zu verdeutlichen, dass es einfacher ist Fragen zu stellen und viel schwieriger, Antworten, Zusammenhänge und Informationen in eine dem Thema und den Betroffenen gerechte Form zu bringen.

Die inhaltliche Gestaltung und Ausrichtung der Plattform und der Beiträge folgen einem definierten Format. Ein Schema gibt den Beiträgen eine stilistische und inhaltliche Norm, damit diese visuell als Serie und inhaltlich als Format wahrgenommen werden.
Die Absicht ist es, ein exemplarisches Format als Prototyp für andere zukünftige Formate zu produzieren.


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